Data Management
Was ist EDI (Electronic Data Interchange)?
EDI (Electronic Data Interchange) ist der elektronische Austausch strukturierter Geschäftsdokumente wie Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen zwischen den IT-Systemen von Geschäftspartnern, ohne manuelle Eingabe. Die Daten folgen festen Standards wie UN/EDIFACT (international) oder ANSI X12 (Nordamerika) und werden direkt von System zu System maschinenlesbar verarbeitet.
EDI ersetzt papier- und E-Mail-basierte Prozesse durch einen direkten, regelbasierten Datenfluss zwischen ERP-Systemen. Ein Dokument wie eine Bestellung wird beim Sender in ein standardisiertes Nachrichtenformat übersetzt, übertragen und beim Empfänger automatisch eingelesen. In der B2B-Beschaffung ist EDI seit den 1980er-Jahren etabliert und bei vielen Industrie- und Handelskonzernen Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit Lieferanten.
| Kriterium | UN/EDIFACT | ANSI X12 |
|---|---|---|
| Herausgeber | UN/CEFACT (Vereinte Nationen) | ASC X12 (akkreditiert durch ANSI) |
| Verbreitung | International, in Europa und DACH führend | Nordamerika (USA, Kanada) |
| Nachrichtenformat | Alphanumerische Kürzel, z. B. ORDERS, INVOIC, DESADV | Numerische Transaktionssätze, z. B. 850, 810, 856 |
| Versionierung | Verzeichnisse je Release, z. B. D.25A, D.24B | Versionsnummern, z. B. 004010, 005010 |
| Einsatz | Branchenübergreifend, Beschaffung, Logistik, Handel | Branchenübergreifend, dominant im US-Markt |
Stand: Juni 2026. UN/EDIFACT-Verzeichnisse werden in der Regel zweimal jährlich aktualisiert (Kennung A und B je Jahr).
Das ERP-System des Lieferanten erzeugt eine standardisierte EDI-Nachricht, die das System des Kunden ohne manuelle Eingabe verarbeitet. Die Beispiel-Nachrichtentypen sind illustrativ.
Wofür wird EDI in der B2B-Beschaffung genutzt?
EDI automatisiert wiederkehrende Belegprozesse zwischen Lieferant und Kunde. Statt eine Bestellung manuell abzutippen, übertragen die Systeme sie strukturiert und fehlerfrei. Typische Einsatzfelder:
- Bestellungen und Auftragsbestätigungen zwischen Einkauf und Lieferant (ORDERS, ORDRSP).
- Lieferavise und Versandmeldungen entlang der Lieferkette (DESADV).
- Elektronische Rechnungen, abgestimmt mit der zugehörigen Bestellung (INVOIC).
- Anbindung an Beschaffungsplattformen und Marktplätze großer Industrie- und Handelskunden.
Für mittelständische Hersteller ist EDI oft die Eintrittskarte zu großen Kunden: Viele Konzerne wickeln Bestellungen ausschließlich elektronisch ab und setzen eine EDI-Anbindung im Lieferanten-Onboarding voraus.
Einordnung
EDI ist bei vielen großen Industrie- und Handelskunden kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung, um überhaupt als Lieferant gelistet zu werden. Der eigentliche Hebel liegt aber selten im EDI-Protokoll selbst, sondern in den Stammdaten dahinter: Wenn Artikelnummern, Einheiten und Preise nicht eindeutig sind, produziert jede EDI-Anbindung Klärfälle. Wer die Datenbasis im PIM zuerst ordnet und EDI darauf aufsetzt, spart sich teure manuelle Nacharbeit.
Philipp Foreman, Geschäftsführer onacy GmbH
Wie hängen EDI und Produktdaten zusammen?
EDI transportiert vor allem Transaktionsdaten wie Bestellungen und Rechnungen. Damit diese Prozesse sauber laufen, müssen die zugrunde liegenden Stammdaten stimmen: Artikelnummern, Einheiten, Preise und Klassifizierungen müssen bei beiden Partnern eindeutig sein. Genau hier greift das Data Management ineinander mit dem EDI-Prozess.
Produktkataloge werden dabei häufig nicht über EDI, sondern über Katalogformate wie BMEcat ausgetauscht, während Bestellungen und Rechnungen über EDI laufen. Ein zentrales PIM-System sorgt dafür, dass die im EDI-Verkehr referenzierten Artikeldaten konsistent und aktuell sind. Ohne saubere Stammdaten führt jede EDI-Integration zu Klärfällen und manueller Nacharbeit.
EDI oder API, was passt für wen?
EDI und moderne APIs verfolgen dasselbe Ziel, den automatisierten Datenaustausch zwischen Systemen, unterscheiden sich aber im Ansatz. EDI ist ein etablierter, normierter Standard, der bei großen Handels- und Industriepartnern oft zwingend vorgegeben ist. APIs sind flexibler, ermöglichen Austausch in Echtzeit und sind im modernen E-Commerce verbreitet.
In der Praxis schließen sich beide nicht aus. Viele Hersteller bedienen über EDI ihre klassischen Großkunden und nutzen parallel APIs für Shops, Marktplätze und Echtzeit-Szenarien. Entscheidend ist eine Integrationsschicht, die beide Wege aus denselben, konsistenten Daten bedient, statt für jeden Kanal eine eigene Datenpflege aufzubauen.
Häufige Fragen zu EDI
Was ist EDI einfach erklärt?
EDI (Electronic Data Interchange) ist der elektronische Austausch strukturierter Geschäftsdokumente wie Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen direkt zwischen den IT-Systemen von Geschäftspartnern. Die Daten folgen festen Standards und werden ohne manuelle Eingabe maschinenlesbar verarbeitet. EDI ersetzt damit papier- und E-Mail-basierte Prozesse in der B2B-Beschaffung.
Was ist der Unterschied zwischen EDIFACT und ANSI X12?
UN/EDIFACT ist der von den Vereinten Nationen herausgegebene internationale EDI-Standard und in Europa führend. ANSI X12 ist der in Nordamerika dominante Standard. EDIFACT nutzt alphanumerische Nachrichtenkürzel wie ORDERS und INVOIC, ANSI X12 nutzt numerische Transaktionssätze wie 850 und 810. Unternehmen mit US-Geschäft müssen häufig beide Standards bedienen.
Welche Dokumente werden per EDI ausgetauscht?
Typische EDI-Dokumente sind Bestellungen (ORDERS bzw. 850), Auftragsbestätigungen (ORDRSP), Lieferavise und Versandmeldungen (DESADV bzw. 856) sowie elektronische Rechnungen (INVOIC bzw. 810). Diese Belege machen den Kern der B2B-Beschaffung aus und werden zwischen ERP-Systemen automatisiert ausgetauscht, abgestimmt auf die jeweils zugehörige Bestellung.
Brauchen mittelständische Hersteller EDI?
Wer große Industrie- oder Handelskunden beliefert, kommt an EDI meist nicht vorbei, da viele Konzerne Bestellungen ausschließlich elektronisch abwickeln und eine EDI-Anbindung im Onboarding verlangen. Voraussetzung für eine reibungslose Anbindung sind saubere Stammdaten. Ohne konsistente Artikel-, Einheiten- und Preisdaten im PIM führt jede EDI-Integration zu Klärfällen und manueller Nacharbeit.
EDI-Anbindung, ohne Klärfälle in den Stammdaten
Eine reibungslose EDI-Integration steht und fällt mit sauberen Stammdaten. Im Daten- und Integrations-Audit prüfen wir, wie EDI-fähig Ihre Artikel-, Einheiten- und Preisdaten sind, und zeigen den Weg zu einem konsistenten Belegfluss mit Ihren großen Kunden.
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