PIM-System: Was Mittelständler wirklich wissen müssen

Auswahl, Einführung und ROI: Alles, was Sie vor dem Start wissen sollten

Sie haben 3.000 Produkte, verkaufen über fünf Kanäle und Ihr Vertrieb verschickt trotzdem Excel-Listen an Handelspartner? Dann reden wir wahrscheinlich gleich über das Thema, das Sie hierher geführt hat: ein PIM-System.

Wir bei onacy haben in den letzten Jahren über 50 PIM-Projekte begleitet, die meisten davon im Mittelstand. Nicht als Softwarehersteller, sondern als Implementierungspartner. Was wir dabei gelernt haben: Die Tool-Frage kommt fast immer zu früh. Und die Datenfrage fast immer zu spät.

Dieser Artikel gibt Ihnen einen ehrlichen Überblick: Was ein PIM kann, was es kostet, wo die typischen Stolperfallen liegen und wie Sie entscheiden, ob Ihr Unternehmen wirklich eines braucht.

Industrie-Mitarbeitender hält ein Ipad in der Hand, auf der Produktdaten aus einem PIM zu sehen sind.

Wann braucht Ihr Unternehmen ein PIM-System?

Nicht jedes Unternehmen braucht ein PIM. Wenn Sie 50 Produkte haben und nur über einen Kanal verkaufen, reicht Ihr Shopsystem. Aber ab einem bestimmten Punkt kippt das. Diese fünf Warnsignale zeigen, dass Ihre Produktdaten-Infrastruktur an ihre Grenzen stößt.

Produktdaten in mehr als drei Systemen

ERP, Excel, Shopsystem, Printkatalog-Tool, vielleicht noch ein PIM-artiges Konstrukt in SharePoint. Wenn niemand mehr sagen kann, wo die aktuelle Version eines Datenblatts liegt, haben Sie ein Problem.

Neue Produkte brauchen Wochen bis online

Nicht wegen der Technik, sondern weil Daten aus verschiedenen Abteilungen zusammengetragen, abgestimmt und manuell in drei Systeme eingepflegt werden müssen. Das kostet Zeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Überdurchschnittliche Retouren-Quote

Falsche oder unvollständige Produktinformationen sind laut einer Studie von Akeneo (2023) für 22% der Retouren verantwortlich. Nicht das Produkt enttäuscht, sondern die Beschreibung hat nicht gestimmt.

Vertrieb erstellt eigene Produktunterlagen

Ein Klassiker: Wenn der Außendienst eigene PowerPoints und Datenblätter baut, weil die offiziellen Unterlagen veraltet oder unvollständig sind, fehlt eine zentrale Quelle für Produktdaten.

Graik, die Product Information Management aufzeigt.

Was ist ein PIM-System?

Product Information Management (kurz: PIM) ist im Kern eine zentrale Plattform für alle produktbezogenen Daten. Technische Spezifikationen, Marketingtexte, Übersetzungen, Klassifikationen, Medien-Zuordnungen: Alles, was ein Produkt beschreibt, liegt an einem Ort.

Klingt simpel. Ist es aber nicht, sobald Sie mehr als eine Handvoll Produkte über mehrere Kanäle ausspielen. Dann wird aus „wir pflegen das in Excel“ schnell ein Albtraum mit Versionskonflikten, inkonsistenten Beschreibungen und einem Vertrieb, der eigene Datenblätter bastelt.

Ein PIM-System ist die Single Source of Truth für Ihre Produktdaten. Es verwaltet Stammdaten, Marketingdaten, Medienzuordnungen, Klassifikationen und Übersetzungen. Was es nicht verwaltet: Preise, Bestände und Buchhaltungsdaten. Das bleibt im ERP.

Mehr zum Thema Datenarchitektur auf unserer Data-Management-Seite

ROI eines PIM-Systems

Was bringt ein PIM wirklich?

Ein PIM amortisiert sich nicht in drei Monaten. Die ehrliche Zeitspanne: 12 bis 18 Monate bis zum Break-even. Aber dann entsteht der ROI an mehreren Stellen gleichzeitig: Zeitersparnis in der Datenpflege (40 bis 60% weniger Aufwand), schnellere Time-to-Market (Tage statt Wochen), weniger Retouren (10 bis 25% Reduktion) und bessere Marktplatz-Performance (15 bis 30% mehr Umsatz).

„Wenn jemand sagt, ein PIM rechne sich in drei Monaten, bin ich skeptisch. Die ehrliche Antwort: Der ROI zeigt sich nach 12 bis 18 Monaten. Aber dann richtig.“

, Geschäftsführer onacy GmbH

40–60% weniger Aufwand in der Datenpflege

Wenn Produktmanager heute 60% ihrer Zeit mit Datensuche und manueller Pflege verbringen, kann ein PIM diesen Aufwand um 40 bis 60% reduzieren. Bei fünf Produktmanagern sind das zwei bis drei Vollzeitstellen, die für wertschöpfende Arbeit frei werden.

Schnellere Time-to-Market

Ein neues Produkt in drei Tagen statt drei Wochen online? Das berichten Unternehmen nach der PIM-Einführung. Der Unterschied: automatisierte Workflows statt E-Mail-Pingpong zwischen Abteilungen.

10–25% weniger Retouren

Vollständige, korrekte Produktdaten reduzieren Retouren. Je nach Branche und Ausgangslage um 10 bis 25%. Bei einem Retourenvolumen von einer Million Euro pro Jahr ist das ein relevanter Hebel.

15–30% mehr Umsatz auf Marktplätzen

Amazon, OTTO und Co. bewerten Listings nach Datenqualität. Vollständige Attribute, gute Beschreibungen, korrekte Kategorisierung: all das verbessert Ihre Sichtbarkeit und Conversion auf Marktplätzen.

Konsistente Daten über alle Kanäle

Produktdaten zentral pflegen und automatisch in alle Kanäle ausspielen. Änderungen im PIM sind in Minuten im Shop, auf Marktplätzen und im Printkatalog live. Keine manuellen Doppelpflege mehr.

Skalierbar für Internationalisierung

Sechs Sprachen, länderspezifische Normen, unterschiedliche Maßeinheiten. Ein PIM-System verwaltet all das strukturiert und ermöglicht den kontrollierten Rollout in neue Märkte ohne Koordinationschaos.

Flexibles Datenmodell mit Pimcore

Pimcore vereint PIM, DAM, MDM und Digital Experience Platform in einer Lösung. Open Source, PHP-basiert, aus dem DACH-Raum. Das Datenmodell ist komplett frei konfigurierbar: keine vorgegebenen Felder, keine starren Templates.

Commerce-Integration als Kernarchitektur

Die Verbindung zwischen PIM und Shopsystem (Shopware, Magento oder individuell) ist Kernarchitektur. Das PIM liefert die Daten, der Shop zeigt sie an. Produktdatenmanagement im PIM, Transaktionslogik im Shop.

Mehr zu Shopware als Commerce-Plattform

Was kostet ein PIM-System realistisch?

Zwischen 30.000 und 250.000 Euro für die Ersteinführung

Die Lizenzkosten sind oft der kleinste Posten. Bei Open-Source-Lösungen wie Pimcore: null Euro Lizenz. Bei SaaS-Anbietern wie Akeneo oder Contentserv: 20.000 bis 80.000 Euro pro Jahr.

Der Hauptkostentreiber ist die Implementierung: 40.000 bis 150.000 Euro. Dazu kommen versteckte Kosten: Datenmigration (15.000 bis 60.000 Euro), Change Management (5.000 bis 20.000 Euro) und laufende Betriebskosten (12.000 bis 48.000 Euro pro Jahr).

Die Gesamtkostenbetrachtung über drei Jahre liegt für ein typisches Mittelstandsprojekt bei 80.000 bis 300.000 Euro. Setzen Sie das in Relation zu den Kosten, die fehlerhafte Produktdaten verursachen: Retouren, verlorene Marktplatz-Listings, manuelle Mehrarbeit, verzögerte Time-to-Market.

„Der häufigste Fehler: Unternehmen wählen zuerst das Tool und denken dann über ihre Daten nach. Es müsste umgekehrt sein. Ein sauberes Datenmodell entscheidet über Erfolg, nicht das Logo auf der Lizenz.“

, Geschäftsführer onacy GmbH

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PIM vs. ERP vs. DAM vs. MDM: Die Abgrenzung

Die Frage kommt in jedem zweiten Erstgespräch. ERP für Zahlen, DAM für Medien, PIM für Produktinhalte. In der Praxis überlappen sich die Systeme, und genau deshalb ist die Architektur-Frage so wichtig. Ein PIM ist ein Teilbereich von MDM, fokussiert auf Produktdaten.

PIM im Kontext: Verwandte Disziplinen

Ein PIM-System steht nicht isoliert. Es ist Teil einer Datenarchitektur, in der Systeme wie DAM, CDP, MDM und DXP zusammenspielen. Die Kurzformel: ERP für Zahlen, DAM für Medien, PIM für Produktinhalte. Hier die wichtigsten Bausteine im Überblick.

DAM – Digital Asset Management

DAM-Systeme organisieren und verwalten Ihre digitalen Medien wie Bilder, Videos, PDFs oder Dokumente. So finden Sie jederzeit die richtigen Dateien in der passenden Version und Qualität.

CDP – Customer Data Platform

Eine CDP bündelt Kundendaten aus verschiedenen Quellen in einem zentralen Profil. Das ermöglicht eine ganzheitliche Sicht auf Ihre Kunden und bildet die Basis für gezielte, personalisierte Kommunikation.

PXM – Product Experience Magement

PXM baut auf PIM auf und erweitert es um kontextbezogene Ausspielung von Produktinformationen. Ziel ist es, ein konsistentes, ansprechendes Produkterlebnis für Ihre Kunden zu schaffen – abgestimmt auf Kanal, Zielgruppe und Markt.

MDM – Master Data Management

Künstliche Intelligenz entfaltet ihr Potenzial nur dann, wenn sie mit hochwertigen, strukturierten Daten trainiert wird. Ob Kundenin-formationen, Stammdaten oder Prozessdaten – eine saubere Datenbasis entscheidet über die Genauigkeit und den Erfolg Ihrer KI-Anwendungen.

DXP – Digital Experience Platform​

Eine DXP bündelt alle digitalen Touchpoints wie Website, Shop, Content und Daten in einem zentralen System, um durchgängige Kundenerlebnisse zu schaffen. Sie hilft Unternehmen, Inhalte personalisiert auszuspielen, Prozesse zu automatisieren und kanalübergreifend effizient zu steuern. So entsteht eine einheitliche Customer Experience, die Conversion und Wachstum spürbar erhöht.

KI-Trainingsdaten – Smart Data Management

Stammdaten sind die Basis vieler Geschäftsprozesse – von Produkt- und Kundeninformationen über Lieferanten- bis hin zu Finanzdaten. Doch in vielen Unternehmen sind diese Daten verstreut, uneinheitlich oder widersprüchlich. Master Data Management sorgt dafür, dass zentrale Stammdaten konsistent, aktuell und für alle Systeme verfügbar sind. 

FAQ

Häufige Fragen zu PIM-Systemen

Ein PIM-System (Product Information Management) ist eine Software, die alle produktbezogenen Informationen zentral verwaltet. Dazu gehören technische Daten, Marketingtexte, Bilder, Übersetzungen und Klassifikationen. Unternehmen nutzen ein PIM, um Produktdaten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen und konsistent an Vertriebskanäle wie Online-Shops, Marktplätze und Printkataloge auszuspielen. Der Unterschied zum ERP: Ein PIM fokussiert auf beschreibende Produktinformationen, nicht auf Transaktionsdaten wie Preise und Bestände.

Die Gesamtkosten für eine PIM-Einführung im Mittelstand liegen realistisch zwischen 30.000 und 250.000 Euro. Open-Source-Lösungen wie Pimcore haben keine Lizenzkosten, SaaS-Anbieter berechnen 20.000 bis 80.000 Euro pro Jahr. Der größte Kostenblock ist die Implementierung (40.000 bis 150.000 Euro), gefolgt von der Datenmigration (15.000 bis 60.000 Euro). Laufende Betriebskosten liegen bei 12.000 bis 48.000 Euro jährlich. Ein häufiger Fehler: Nur die Lizenzkosten zu vergleichen statt der Total Cost of Ownership über drei Jahre.

Ein ERP-System (SAP, Microsoft Dynamics, proALPHA) verwaltet Transaktionsdaten: Preise, Bestände, Bestellungen, Finanzen. Ein PIM verwaltet beschreibende Produktinformationen: Texte, Spezifikationen, Bilder, Klassifikationen. Beide Systeme ergänzen sich. Das ERP liefert Stammdaten wie Artikelnummern und Maße, das PIM reichert diese um Marketinginhalte und kanalspezifische Informationen an. Der typische Datenfluss: ERP als führendes System für Stammdaten, PIM für die Anreicherung und Verteilung an Ausgabekanäle.

Spätestens dann, wenn Produktdaten in mehr als drei Systemen parallel gepflegt werden, neue Produkte Wochen brauchen bis sie online sind, oder die Internationalisierung ansteht. Typische Schwellenwerte: ab 500 SKUs, ab drei Ausgabekanälen, ab zwei Sprachen. Auch eine hohe Retourenquote durch fehlerhafte Produktinformationen ist ein klares Signal. Unternehmen mit weniger als 200 Produkten und einem einzelnen Vertriebskanal kommen oft ohne PIM aus.

Für mittelständische Unternehmen mit 500 bis 100.000 SKUs empfehlen wir Open-Source-Lösungen wie Pimcore. Keine Lizenzkosten, volle Kontrolle über Daten und Code, flexibles Datenmodell. SaaS-Alternativen wie Akeneo eignen sich, wenn standardnahe Anforderungen vorliegen und kein eigener Betrieb gewünscht ist. Enterprise-Lösungen (Informatica, Stibo) sind in den meisten Fällen überdimensioniert. Die entscheidende Frage ist nicht „Welches PIM?“, sondern „Welches Datenmodell brauche ich?“ Die Systemauswahl folgt der Datenstrategie.

Vier bis acht Monate von Projektstart bis Go-Live ist der realistische Rahmen. Phase 1 (Analyse und Strategie) dauert drei bis sechs Wochen, Phase 2 (Datenmodell und Setup) vier bis acht Wochen, Phase 3 (Migration und Integration) vier bis zehn Wochen, Phase 4 (Schulung und Go-Live) zwei bis vier Wochen. Der häufigste Verzögerungsgrund: Die Datenmigration dauert länger als geplant, weil der Zustand der bestehenden Daten unterschätzt wurde.