Shopware B2B Components: Individual Pricing für komplexe Preisstrukturen

B2B-Preisgestaltung ist selten ein technisches Problem. Es ist ein organisatorisches. Hersteller und Händler verwalten Dutzende Preislisten, kundenspezifische Rabatte, Staffelkonditionen und Sondervereinbarungen, die historisch gewachsen sind: in Excel-Dateien, im ERP, im

Shopware B2B Components: Individual Pricing

B2B-Preisgestaltung ist selten ein technisches Problem. Es ist ein organisatorisches. Hersteller und Händler verwalten Dutzende Preislisten, kundenspezifische Rabatte, Staffelkonditionen und Sondervereinbarungen, die historisch gewachsen sind: in Excel-Dateien, im ERP, im Kopf des Vertriebsleiters. Wenn dann ein neues Shop-System diese Strukturen abbilden soll, stellt sich heraus, dass „kundenindividuelle Preise“ kein Feature ist, das man aktiviert, sondern ein Prozess, der sauber in der Datenbasis beginnen muss.

Shopware hat mit Version 6.5 und dem Evolve-Plan die B2B Components eingeführt: ein modulares Paket, das gezielt für komplexe B2B-Anforderungen entwickelt wurde. Individual Pricing ist das Herzstück davon. Dieser Artikel erklärt, was das Modul konkret leistet, wann sich der Wechsel zu Evolve rechnet und wie B2B Components zur älteren B2B Suite positioniert sind.

Was sind B2B Components?

B2B Components ist kein monolithisches Plugin, sondern eine Sammlung von Modulen, die ab dem Shopware-Evolve-Plan verfügbar sind. Die Module lassen sich einzeln aktivieren und adressieren unterschiedliche Anforderungen im B2B-Betrieb:

  • Individual Pricing: Kundenspezifische Preislisten, Staffelpreise, Nettopreisanzeige, Rabattgruppen
  • Quote Management: Angebotsprozess direkt im Shop, Verhandlungsrunden zwischen Einkauf und Vertrieb
  • Quick Order: CSV-Upload und schnelle Bestellung über Artikelnummern für wiederkehrende Bestellungen
  • Customer-specific Products: Produktsortiment nach Kundensegment einschränken oder erweitern
  • Order Approval: Mehrstufige Genehmigungsworkflows für Bestellungen
  • B2B Employee Management: Rollenverwaltung für mehrere Nutzer eines Unternehmens im selben Account

Das Modul-Konzept hat einen praktischen Vorteil: Wer nur Individual Pricing und Quick Order braucht, muss nicht das gesamte Paket implementieren und bezahlen. In der B2B Suite der alten Shopware-Generation war das noch anders.

Shopware B2B Components: Was steckt im Modul-Paket? Individual Pricing, Quote Management, Quick Order, Customer-specific Products, Order Approval, B2B Employee Management

Individual Pricing: Was ist technisch möglich?

Individual Pricing ist für viele B2B-Hersteller die zentrale Anforderung, die über die Shop-Plattformwahl entscheidet. Das Modul erlaubt folgende Preisstrukturen:

Kundenspezifische Preislisten

Jedem Debitor oder jeder Kundengruppe lässt sich eine eigene Preisliste zuweisen. Kunde A sieht Nettoeinkaufspreise aus seiner Vereinbarung, Kunde B sieht andere Preise für dieselben Artikel. Die Zuweisung erfolgt über Kundengruppen oder direkt auf Debitorenebene.

Staffelpreise

Pro Artikel lassen sich Mengenschwellen definieren. Ab 10 Stück greift ein anderer Preis als bei Einzelbestellung. Staffeln können kundenspezifisch oder global gelten.

Nettopreisanzeige und Rabattgruppen

Im B2B-Kontext Pflicht: Shopware erlaubt shopweite oder kundengruppenspezifische Netto-Anzeige. Bruttopreise bleiben für B2C-Segmente im gleichen Shop sichtbar, falls ein gemischtes Modell betrieben wird. Rabattgruppen ermöglichen prozentuale Abschläge auf Katalogpreise oder Warengruppen, einfacher zu pflegen als vollständige Preislisten, aber weniger granular.

Die technische Basis ist die Shopware Rule Engine in Kombination mit dem Price-Calculation-Stack. Die Preise lassen sich über die Admin-API und Sync-API pflegen, was ERP-Integration ermöglicht.

Individual Pricing klingt nach einem Feature. Tatsächlich ist es ein Prozess. Wer keine saubere Preisstruktur im ERP hat, bekommt das Chaos nur in einer anderen Oberfläche abgebildet. Bevor wir irgendetwas in Shopware konfigurieren, schauen wir uns an, wie viele Preislisten wirklich aktiv sind, wer sie pflegt und ob es eine Quelle der Wahrheit gibt. Das ist die eigentliche Arbeit.

Wann rechnet sich das Upgrade auf Evolve?

Shopware Rise kostet ab ca. 600 Euro im Monat (SaaS, Startpreise variieren je nach GMV). Evolve beginnt bei rund 2.400 Euro pro Monat. Der Mehrpreis von etwa 1.800 Euro pro Monat ist der Ausgangspunkt für die Kosten-Nutzen-Abwägung.

Die Kalkulation hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Manuelle Preispflege heute: Wenn das Vertriebsteam wöchentlich mehrere Stunden damit verbringt, Sonderkonditionen manuell in den Shop zu übertragen oder Preise per E-Mail zu kommunizieren, ist der Schaden oft größer als 1.800 Euro im Monat, nur schwerer sichtbar.
  • Fehlerquote bei Preisabweichungen: Fehlgelaufene Konditionen erzeugen Nachkorrekturen, Reklamationen und Gutschriften. Selbst ein mittleres B2B-Sortiment mit 15 Kunden und unterschiedlichen Konditionen kann bei manueller Verwaltung mehrere Korrekturfälle pro Monat produzieren.
  • Volumen und Wachstum: Ab etwa 20 bis 30 aktiven B2B-Kunden mit unterschiedlichen Preisvereinbarungen wird manuelle Verwaltung systematisch fehleranfällig.
  • Drittanbieter-Alternativen: Plugins außerhalb des Evolve-Plans kosten zwischen 500 und 1.200 Euro pro Monat, decken aber nicht den gleichen Funktionsumfang ab und bringen Integrationsrisiken bei Shop-Updates.

Der Upgrade auf Evolve rechnet sich typischerweise ab einem B2B-GMV von ca. 1 bis 1,5 Millionen Euro jährlich, wenn mehr als 15 bis 20 Kunden mit unterschiedlichen Konditionen beliefert werden. Darunter ist die Frage berechtigt, ob ein einfacheres Setup mit Kundengruppen-Rabatten ausreicht.

B2B Components vs. B2B Suite: Was wurde abgelöst?

Die B2B Suite war bis Shopware 6.4 die Standard-Lösung für komplexere B2B-Anforderungen. Sie funktionierte als ein großes Plugin mit fester Funktionsliste: Unternehmenshierarchien, Angebotsverwaltung, Budgetverwaltung, Bestellfreigaben. Das Problem: Man nahm das Paket als Ganzes oder gar nicht.

Shopware hat die B2B Suite in den Maintenance Mode überführt. Sie wird bis Shopware 6.8 gepflegt, danach ist der Supportzeitraum offen. Für bestehende Implementierungen bedeutet das: kein Hard-Stop, aber kein Investitionspfad mehr. Neue Features werden in der Suite nicht mehr entwickelt.

B2B Components ist die Nachfolgelösung, aber keine direkte Übernahme. Das Modul-Prinzip bedeutet mehr Flexibilität, aber auch mehr Eigenverantwortung bei der Konfiguration. Wer bisher die B2B Suite genutzt hat und auf Evolve migriert, muss prüfen, welche Suite-Funktionen im neuen Modell wie abgebildet werden. Budgetverwaltung zum Beispiel existiert in B2B Components anders als in der Suite.

Die B2B Suite war ein monolithisches Konstrukt, das man entweder komplett akzeptiert hat oder nicht. B2B Components ist modular, und das ist ein echter Vorteil. Aber diese Modularität erkauft man sich mit Integrationsaufwand: Wer vorher die Suite hatte, muss für die Migration genau durchdenken, welche Prozesse wo hängen. Das ist kein Showstopper, aber kein simpler Update-Vorgang.

Technische Integration: ERP und Preisgruppen-Sync

Individual Pricing funktioniert nur dann zuverlässig, wenn die Datenquelle sauber ist. In den meisten mittelständischen Umgebungen liegt die Preiswahrheit im ERP: SAP, proAlpha, Microsoft Dynamics, Sage oder andere Systeme verwalten Debitoren, Konditionen und Preislisten.

Die Integration läuft typischerweise über zwei Wege:

  • Sync-API: Shopware bietet eine Bulk-Sync-API für Preisdaten. Preislisten lassen sich als JSON-Struktur übergeben, Kundengruppen zuordnen und mit Gültigkeitszeiträumen versehen. Ein regelmäßiger Sync (täglich oder bei ERP-Änderung getriggert) hält die Preisdaten aktuell.
  • Middleware-Schicht: In komplexeren Setups läuft zwischen ERP und Shop ein Middleware-Layer (z.B. Pimcore DataDirector, MuleSoft oder ein eigenes Integrationsprojekt). Dieser übersetzt ERP-Konditionen in Shopware-Preisgruppen und kapselt die Transformationslogik.

Wichtig: Shopware erlaubt pro Artikel mehrere Preise mit unterschiedlichen Regeln. Je mehr Kundengruppen, Staffeln und Zeiträume kombiniert werden, desto aufwendiger wird der Sync und die Fehlersuche bei Preisabweichungen. Eine klare Prioritätenreihenfolge muss vor der Implementierung definiert sein.

Empfehlungsmatrix: Welche Lösung für welchen Unternehmenstyp?

UnternehmenstypSituationEmpfehlung
Hersteller mit weniger als 20 B2B-KundenWenige Sonderkonditionen, ERP-Preise einfach strukturiertRise mit Kundengruppen-Rabatten; Evolve noch nicht notwendig
Hersteller mit 20 bis 100 B2B-KundenVerschiedene Preislisten, Staffeln, Nettopreisanzeige relevantEvolve mit Individual Pricing; Sync-API für ERP-Anbindung prüfen
Hersteller mit mehr als 100 B2B-KundenViele individuelle Vereinbarungen, komplexe SortimentssteuerungEvolve oder Beyond; Middleware-Layer empfohlen; Architecture Review vorab
Hersteller mit komplexen SonderkonditionenProjektpreise, Rahmenverträge, individuelle Artikel je DebitorBeyond oder Enterprise; Quote Management und Customer-specific Products kombinieren

Fazit

Shopware B2B Components adressiert reale Probleme im Mittelstands-B2B: Preiskomplexität, Genehmigungsworkflows, mehrere Nutzer pro Unternehmensaccount. Individual Pricing ist dabei das Modul mit dem größten Hebel, weil es direkt in die Conversion-Rate und die Kundenzufriedenheit eingreift. Kein B2B-Einkäufer möchte einen Preis sehen, der nicht seiner Vereinbarung entspricht.

Der Upgrade auf Evolve lohnt sich nicht automatisch. Die Entscheidung ist eine Kombination aus aktuellem Aufwand für manuelle Preispflege, Kundenzahl und ERP-Qualität. Wer heute noch mit Kundengruppen-Rabatten und Excel-Exporten arbeitet, sollte den Wechsel nicht als Feature-Upgrade betrachten, sondern als Prozessveränderung: zuerst die Datenstruktur bereinigen, dann die Technologie nachziehen.

Für alle, die die B2B Suite noch im Einsatz haben: Die Uhr läuft. Nicht dramatisch, aber bis Shopware 6.8 ist ein Migrationspfad zu planen. B2B Components ist die logische Weiterführung, aber kein Selbstläufer bei der Migration. Mehr zum Thema B2B Commerce mit Shopware und zur passenden Lizenzwahl (Rise, Evolve, Beyond) findest du in den verlinkten Artikeln.

Häufige Fragen zu Shopware B2B Components und Individual Pricing

Was ist Individual Pricing in Shopware und ab welcher Edition ist es verfügbar?

Individual Pricing ist ein Modul der Shopware B2B Components, das es erlaubt, jedem Debitor oder jeder Kundengruppe eine eigene Preisliste zuzuweisen. Damit lassen sich kundenspezifische Preise, Staffelpreise und Rabattgruppen nativ im Shop abbilden, ohne Drittanbieter-Plugins. Das Modul ist ab dem Shopware-Evolve-Plan verfügbar und wurde mit Version 6.7.8 (März 2026) weiter ausgebaut.

Was ist der Unterschied zwischen Shopware B2B Components und der alten B2B Suite?

Die B2B Suite war ein monolithisches Plugin, das als Gesamtpaket aktiviert werden musste. Die B2B Components sind modular aufgebaut: Jedes Modul (Individual Pricing, Angebotsverwaltung, Quick Order etc.) lässt sich unabhängig aktivieren. Die B2B Suite befindet sich im Maintenance Mode und wird ab Shopware 6.8 nicht mehr unterstützt. Neue Projekte sollten direkt mit den B2B Components starten.

Ab wann lohnt sich das Upgrade auf Shopware Evolve für Individual Pricing?

Der Upgrade auf Evolve rechnet sich typischerweise ab einem B2B-GMV von ca. 1 bis 1,5 Mio. EUR jährlich und mehr als 15 bis 20 Kunden mit unterschiedlichen Preisvereinbarungen. Darunter kann ein Preisgruppen-Modell auf Rise ausreichen. Entscheidend ist der aktuelle Aufwand für manuelle Preispflege: Wenn der Vertrieb regelmäßig Kapazität dafür bindet oder Fehler durch inkonsistente Preise entstehen, rechnet sich Evolve meist früher als erwartet.

Wie lässt sich Individual Pricing mit einem ERP-System synchronisieren?

Die Anbindung läuft typischerweise über die Shopware Sync-API, die Preislisten als JSON-Struktur entgegennimmt und Kundengruppen zuordnet. In komplexeren Setups empfiehlt sich eine Middleware-Schicht (z.B. Pimcore DataDirector oder ein eigenes Integrationsprojekt), die ERP-Konditionen in Shopware-Preisgruppen übersetzt. Voraussetzung ist eine saubere und eindeutige Preisstruktur im ERP als Quelle der Wahrheit.

Welche B2B Components sind in Shopware Evolve enthalten?

In Shopware Evolve sind sechs B2B-Module enthalten: Individual Pricing (kundenspezifische Preislisten und Staffeln), Quote Management (Angebotsprozess im Shop), Quick Order (CSV-Upload und Bestellung per Artikelnummer), Customer-specific Products (Sortimentssteuerung je Kundensegment), Order Approval (Genehmigungsworkflows) sowie B2B Employee Management (Rollenverwaltung für mehrere Nutzer eines Unternehmens). Die Module lassen sich unabhängig voneinander aktivieren.

Philipp Foreman

Autor

Philipp Foreman

Geschäftsführer, onacy GmbH

Philipp Foreman begleitet mittelständische Hersteller und Händler bei der Einführung und Optimierung von Shopware-Plattformen. Schwerpunkte: B2B-Preisstrukturen, ERP-Integration und Evolve-Implementierungen. Er kennt die Lücke zwischen dem, was Vertrieb verspricht, und dem, was die Datenstruktur tatsächlich hergibt.

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