PIM-Systeme im Vergleich 2026: Pimcore vs. Akeneo vs. Centric PXM (ehemals Contentserv)
Pimcore, Akeneo und Centric PXM (ehemals Contentserv) im direkten Vergleich: 20 geprüfte Kriterien, veröffentlichte Listenpreise, Entscheidungsmatrix für den Mittelstand und Kurzprofile von Stibo, inriver, Syndigo, crossbase und Plytix.
Wenn ein mittelständischer Hersteller bei uns anfragt, stehen fast immer dieselben drei Namen auf dem Zettel: Pimcore, Akeneo und Contentserv, das seit 2025 Centric PXM heißt. Die drei könnten unterschiedlicher kaum sein. Pimcore ist eine Datenplattform, auf der man das Datenmodell selbst baut. Akeneo ist ein PIM aus der Cloud, das genau eine Sache gut machen will. Centric PXM ist eine Suite, die das Marketing eines Konzerns von der Produktpflege bis zum Marktplatz-Feed bedienen soll. Wir haben für diesen Vergleich 20 Kriterien gegen die Herstellerdokumentationen geprüft, die veröffentlichten Listenpreise zusammengetragen und am Ende aufgeschrieben, welches System wir wem empfehlen würden. Die Quellen stehen am Schluss, der Stand ist Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
Pimcore ist die flexibelste Plattform: PIM, MDM, DAM und CMS auf einer Codebasis, Quellcode offen, seit Version 2025.1 unter der Pimcore Open Core License (Community Edition kostenlos bis 5 Mio. Euro Jahresumsatz, kommerzielle Editionen laut deutscher Preisliste ab 8.400 Euro pro Jahr). Akeneo ist das fokussierte SaaS-PIM für Commerce-Teams in drei Paketen, Growth laut Listenpreis ab 35.000 Euro pro Jahr, dazu eine kostenlose Community Edition. Centric PXM, seit Februar 2025 Teil von Centric Software (Dassault Systèmes), ist die Cloud-Suite aus PIM, DAM, Syndication und Digital Shelf Analytics für international verteilte Marketing-Organisationen, Preise nur auf Anfrage.
Wer ein komplexes Datenmodell hat, B2B-Strukturen abbilden muss oder beim Hosting frei bleiben will, landet in unseren Projekten meist bei Pimcore. Wer ein Commerce-Team mit flachem Sortiment hat und keinen eigenen Betrieb möchte, ist mit Akeneo oft schneller. Centric PXM kommt ins Spiel, wenn ein verteiltes Marketing viele Märkte und Marktplätze bedienen muss. Listenpreise gibt es nur von Pimcore und Akeneo. Was ein Projekt am Ende kostet, entscheidet bei allen dreien das Datenmodell und der Zustand der Bestandsdaten.
Transparenz vorab: onacy ist Pimcore Platinum Partner, wir verdienen unser Geld mit Pimcore-Projekten. Trotzdem raten wir in diesem Artikel an mehreren Stellen zu Akeneo oder Centric PXM. Ein Kunde, dem wir das falsche System verkauft haben, ruft nach zwei Jahren wieder an, und dann nicht für ein Folgeprojekt. Wo wir eine Meinung haben und keinen Beleg, steht „Einschätzung“ dabei.
Die drei Systeme im Überblick: Plattform-Philosophien
Alle drei Systeme sollen dasselbe leisten: Produktdaten an einer Stelle pflegen und von dort in Shop, Katalog, Marktplatz und Händlerportal bringen. Wie sie das angehen, unterscheidet sich grundlegend.
Pimcore (Pimcore GmbH, Salzburg; erste Version 2010) ist eher eine Datenplattform als eine reine PIM-Software. Man modelliert das Datenmodell selbst, und PIM, MDM, DAM, CMS und Digital-Experience-Funktionen laufen auf einer Codebasis. Seit Platform Version 2025.1 gilt die Pimcore Open Core License (POCL) statt der GPL. Der Quellcode bleibt öffentlich einsehbar. Die Community Edition dürfen Unternehmen bis 5 Millionen Euro Jahresumsatz kostenlos produktiv einsetzen, wer darüber liegt oder Enterprise-Module braucht, kauft eine kommerzielle Edition. Diese Freiheit hat einen Preis: Ohne einen Partner, der Datenmodellierung kann, wird aus Pimcore kein gutes PIM.
Akeneo (Nantes, gegründet 2013) geht den umgekehrten Weg. Das Datenmodell ist vorgegeben: Attribute, Familien, Kanäle. Damit kommt ein Marketing-Team ohne Entwickler zurecht, und genau dafür ist die Oberfläche gebaut. Verkauft wird Akeneo heute als SaaS in den Paketen Growth, Advanced und Premium (Akeneo Product Cloud). Die frühere PaaS- und On-Premise-Variante der Enterprise Edition wird seit dem 30. September 2026 nicht mehr unterstützt. Daneben gibt es weiterhin die kostenlose Community Edition unter der Open Software License 3.0, die man selbst hostet. Ein MDM oder ein CMS will Akeneo ausdrücklich nicht sein.
Centric PXM, bis Anfang 2025 als Contentserv bekannt (2000 in Deutschland gegründet, Sitz in Rohrbach/Ilm bei München), wurde im Februar 2025 von Centric Software übernommen, einer Tochter von Dassault Systèmes. Die Suite umfasst PIM, DAM, Content-Syndication und Digital Shelf Analytics und wird als SaaS mit Hosting in Deutschland (AWS) verkauft. Preise veröffentlicht der Hersteller nicht, und beim Datenmodell bewegt man sich innerhalb dessen, was die Suite vorsieht. Wer heute contentserv.com aufruft, wird auf die Seiten von Centric Software umgeleitet.
Vergleichstabelle: 20 Kriterien im direkten Vergleich
Stand: Oktober 2026, geprüft gegen die Dokumentationen und Preisseiten der Hersteller. Zeilen mit dem Zusatz „Einschätzung“ sind unsere Bewertung aus Projekten, keine Herstellerangabe.
Kriterium
Pimcore
Akeneo
Centric PXM (ehem. Contentserv)
Hersteller, Sitz
Pimcore GmbH, Salzburg (AT); erste Version 2010
Akeneo SAS, Nantes (FR); gegründet 2013
Centric Software (Dassault Systèmes); Contentserv 2000 in DE gegründet, Sitz Rohrbach/Ilm
Lizenzmodell
Open Core (POCL): Community kostenlos bis 5 Mio. € Umsatz; Professional, Enterprise, PaaS im Abo
Community Edition (OSL 3.0) + SaaS-Pakete Growth, Advanced, Premium
SaaS-Abo, proprietär
Quellcode offen
Ja, öffentlich auf GitHub (keine OSI-Lizenz mehr seit 2025.1)
Ja, Community Edition auf GitHub
Nein
Listenpreise (Hersteller)
Professional ab 8.400 €, Enterprise ab 25.200 €, PaaS ab 34.200 € pro Jahr (deutsche Preisliste)
Growth ab 35.000 € pro Jahr (EU); Advanced und Premium auf Anfrage
Keine veröffentlicht, nur auf Anfrage
Hosting
On-Premise, eigene Cloud oder Pimcore PaaS (AWS, GCP, Azure)
SaaS; Self-Hosting nur Community Edition
SaaS (AWS, Rechenzentrum Deutschland); On-Premise nur bei Bestandskunden
Datenmodell
Frei modellierbare Datenobjekte mit Vererbung und Beziehungen
Attribute, Familien, Varianten; Reference Entities für verknüpfte Objekte
Konfigurierbare Datenmodelle mit Validierungen im Suite-Rahmen
Nein, Fokus Produktdaten (laut Hersteller Teilbereich von MDM)
Vom Hersteller für Centric PXM nicht ausgewiesen
DAM
Nativ im Kern (alle Editionen)
In allen SaaS-Paketen enthalten, nicht in der Community Edition
Nativ (Centric DAM)
CMS / Headless
Ja, integriertes CMS, GraphQL über Datahub
Nein; Anbindung über Apps (z. B. Contentstack, Uniform)
Nein; Onboarding-Portal für Lieferanten, kein CMS
Workflow / Freigaben
Symfony-basiertes Workflow-Modul im Kern; grafischer Workflow Designer nur Enterprise
Ab Advanced-Paket (nicht in Growth)
Ja, Aufgaben, Freigaben und Rechte laut Hersteller enthalten
Datenqualität
Validierungsregeln im Datenmodell; Data Quality Management als Enterprise-Modul
Quality Score nativ (Community und Growth eingeschränkt, voll ab Advanced)
Regelbasierte Validierung und KI-gestützte Fehlererkennung
Klassifikationen (ETIM/ECLASS)
Über Classification Store plus Partner-Bundles aus dem Pimcore Store
Über Apps im App Store (ETIM App, CatalogExpress)
Kostenpflichtige Classification Library (ETIM, ECLASS); BMEcat über Partner
Mehrsprachigkeit
Lokalisierte Felder und Metadaten mit Fallback
Locale- und Channel-Konzept, KI-Übersetzung in den SaaS-Paketen
Translation Manager mit Anbindung an DeepL, Trados, Across (teils zusatzlizenziert)
Channel-Output
Web, Feeds, Shops, Print (Web-to-Print nur Enterprise)
Commerce-Fokus: Shops, Marktplätze, Syndication über Apps
Über 1.000 Kanäle via Centric Shoppingfeed; Print über Partner-Connectoren (priint, InBetween)
Schnittstellen
GraphQL (Datahub, Community); REST-Adapter und Webhooks nur Enterprise
REST-API (alle Editionen); Event Platform und lesende GraphQL-API nur SaaS
REST-API und Connectoren; kein GraphQL ausgewiesen
KI-Funktionen
Copilot (nur Enterprise): Textgenerierung, Bildklassifikation, OpenAI-kompatible und lokale Modelle
AI Configurations und Ask-AI-Assistent „Ziggy“ für Texte, Übersetzung, Asset-Tagging (nur SaaS)
Eingebettete KI für Attributbefüllung, Texte, Übersetzung, Asset-Tagging; eigener Account beim KI-Anbieter nötig
Belegte Skalierung
Case Studies mit 2,5 bis 6 Mio. Datenobjekten
Case Studies mit 500.000 bis 700.000 SKUs
Referenzen wie Electrolux, Villeroy & Boch, Ravensburger
Partner in DACH (Verzeichnis)
154 gelistete Solution Partner weltweit, 78 davon mit Standort in DE, AT oder CH
139 Solution Partner weltweit, 53 mit DACH-Abdeckung
56 Partner weltweit, rund 15 mit Sitz in DE oder CH
Vendor-Lock-in (Einschätzung)
Niedrig bis mittel: Quellcode offen, Hosting frei; Enterprise-Module nur im Abo
Mittel: kostenpflichtige Pakete nur als SaaS
Hoch: reines SaaS, proprietär, keine Listenpreise
Sweet Spot (Einschätzung)
Mittelstand bis Enterprise mit komplexen Daten, B2B, Print und MDM-Bedarf
Commerce-getriebene Händler und Marken mit standardnahem Datenmodell
International verteilte Marketing-Organisationen mit Syndication-Bedarf
Pimcore im Detail: Stärken, Schwächen, ideale Einsatzszenarien
Pimcore geht von den Daten aus. Das Datenmodell wird so gebaut, wie das Unternehmen seine Produkte tatsächlich strukturiert, mit Vererbung, Objektbeziehungen und Varianten-Logik, und es endet nicht beim Produkt. Ein Maschinenbauer bildet damit Ersatzteil-Beziehungen ab, ein Markenhersteller seine Sortimentshierarchien für mehrere Märkte, ein Händler zusätzlich Lieferanten und Standorte. DAM und CMS sind Teil derselben Plattform und nicht nachträglich angeflanscht, ein Produktbild existiert also einmal und hängt überall dort, wo es gebraucht wird. Offizielle Referenzen reichen bis zu 6 Millionen Datenobjekten in einer Installation.
Diese Freiheit verlangt Know-how. Wir haben Pimcore-Installationen übernommen, in denen über Jahre jeder neue Anwendungsfall eine neue Klasse bekommen hat, und am Ende wusste niemand mehr, welches Feld führend ist. Das ist kein Fehler des Systems, aber eine reale Gefahr. Dazu kommt seit 2025 die Lizenzfrage: Die Community Edition ist für Unternehmen bis 5 Millionen Euro Jahresumsatz auch produktiv kostenlos, verlangt aber eine Produktregistrierung und enthält keine Enterprise-Module wie Portal Engine, Copilot, Workflow Designer, Webhooks oder Web-to-Print. Wer darüber liegt oder diese Module braucht, zahlt laut deutscher Preisliste ab 8.400 Euro (Professional) oder ab 25.200 Euro (Enterprise) pro Jahr, der vollständig betriebene Cloud-Service (PaaS) beginnt bei 34.200 Euro.
PIM, DAM, CMS und GraphQL-Schnittstelle auf einer Plattform
Quellcode offen, Hosting frei wählbar (On-Premise, eigene Cloud, PaaS)
Starke B2B-Eignung: Klassifikationen über Classification Store, Varianten, Print
Belegte Skalierung bis in den Millionen-Objektbereich
Dichtes Partnernetz in DACH (78 gelistete Partner)
Contra
Erfolg hängt stark vom Implementierungspartner ab
Datenmodell wird individuell gebaut, also längere Anlaufphase als bei einem Standard-PIM
Seit 2025.1 kein Open Source mehr: Umsatzgrenze und Pflichtregistrierung in der Community Edition
Viele Komfortfunktionen (Copilot, Portal Engine, Workflow Designer, Webhooks) nur in der Enterprise Edition
Passt zu: Herstellern und Marken aus dem Mittelstand, deren Produktdaten komplex sind, die B2B-Kunden und Print-Kanäle bedienen und die Produktdaten, Stammdaten und Content nicht in drei Systemen pflegen wollen. Warum das Datenmodell gerade für Hersteller den Unterschied macht, haben wir in einem eigenen Artikel beschrieben: Pimcore für Hersteller.
„Die Open-Source-Frage wird oft falsch gestellt. Es geht nicht darum, Lizenzkosten zu sparen, sondern um Kontrolle: Wer sein Datenmodell, sein Hosting und seinen Quellcode selbst in der Hand hat, verhandelt in fünf Jahren aus einer anderen Position als ein Unternehmen, dessen gesamte Produktdaten in einem proprietären SaaS liegen.“
Philipp Foreman
Geschäftsführer, onacy GmbH
Akeneo im Detail: Stärken, Schwächen, ideale Einsatzszenarien
Akeneo ist in diesem Vergleich das System, das ein Produktmanagement am schnellsten versteht. Attribute, Familien, Kanäle, mehr Konzept braucht es nicht, und der eingebaute Quality Score zeigt jedem Redakteur, welche Produkte noch Lücken haben. Wer vor allem Shops und Marktplätze mit sauberen Daten versorgen will, ist damit nach unserer Erfahrung deutlich schneller als mit einem System, dessen Datenmodell erst entworfen werden muss. Seit 2024 bietet Akeneo zusätzlich eine Event Platform und eine lesende GraphQL-API, beides nur in den SaaS-Paketen.
Schwieriger wird es, sobald Beziehungen zwischen Objekten eine Rolle spielen: Ersatzteile zu Maschinen, Zubehör zu Varianten, Stammdaten jenseits des Produkts. Reference Entities helfen bei Marken oder Materialien, ersetzen aber kein frei modelliertes Datenmodell. Und bei den Paketen sollte man genau hinsehen: Regel-Engine, DAM und Reference Entities sind schon in Growth enthalten, Freigabe-Workflows, feingranulare Rechte und die vollständigen Data Quality Insights erst ab Advanced, Rund-um-die-Uhr-Support erst in Premium. Das Supplier-Onboarding (Supplier Data Manager) ist in allen Paketen ein kostenpflichtiges Add-on. Die Community Edition lebt weiter (Stand Oktober 2026: Version 2026.4), deckt aber nur das Standard-PIM ab.
Veröffentlichter Einstiegspreis (Growth ab 35.000 € pro Jahr)
Kostenlose Community Edition zum Selbsthosten
Contra
Kein MDM, kein CMS: reines Produkt-PIM
Datenmodell stößt bei komplexen Beziehungen an Grenzen
Workflows und Freigaben erst ab Advanced-Paket
Kostenpflichtige Pakete nur als SaaS; PaaS und On-Premise seit 30.09.2026 ohne Support
Passt zu: Händlern und Marken, bei denen der Shop im Mittelpunkt steht, das Datenmodell überschaubar bleibt und niemand einen Server betreiben möchte.
Centric PXM (ehemals Contentserv) im Detail: Stärken, Schwächen, ideale Einsatzszenarien
Centric PXM bringt von den dreien am meisten aus einer Hand mit: PIM, DAM, Translation Manager, Syndication an über 1.000 Kanäle (Centric Shoppingfeed), Digital Shelf Analytics und ein Onboarding-Portal, über das Lieferanten ihre Daten selbst einspielen. Ein Marketing, das in zwanzig Ländern dieselben Produkte kommunizieren muss, bekommt hier vieles vorgedacht. Electrolux, Villeroy & Boch und Ravensburger stehen als Referenzen auf der Herstellerseite. Print läuft allerdings über Partner wie priint, InBetween oder Codeware, ein eigenes Print-Modul gibt es nicht.
Der Preis dafür ist Abhängigkeit. Es gibt keine veröffentlichten Preise, keinen Zugriff auf den Quellcode und für Neukunden keine On-Premise-Variante. Das Datenmodell lässt sich konfigurieren, aber nur innerhalb dessen, was die Suite vorsieht. Bausteine wie die Classification Library für ETIM und ECLASS oder die Anbindungen an Übersetzungsdienste kosten extra. Seit der Übernahme werden Roadmap und Produktstrategie zudem in einem PLM-Konzern entschieden. Wer ohnehin mit Dassault-Produkten arbeitet, mag das als Vorteil sehen. Alle anderen sollten sich die Frage stellen, wie sie in fünf Jahren aus diesem Vertrag wieder herauskommen.
Pro
Breitester Suite-Umfang: PIM, DAM, Syndication, Digital Shelf Analytics, Onboarding-Portal
Workflows, Freigaben und Translation Manager ab Werk
Syndication-Netzwerk mit über 1.000 Kanälen
ETIM und ECLASS über herstellereigene Classification Library
SaaS mit Hosting in Deutschland, kein eigener Betriebsaufwand
Contra
Keine veröffentlichten Preise, Angebot nur auf Anfrage
Passt zu: großen, international aufgestellten Markenherstellern mit verteilten Marketing-Teams, vielen Sprachen, Marktplatz-Syndication und dem Budget für eine Konzern-Suite.
Weitere PIM-Anbieter im Überblick
Mit den drei Systemen oben ist der Markt nicht abgebildet. Je nach Ausgangslage tauchen in Ausschreibungen weitere Namen auf, die wir hier kurz einordnen. Die Angaben stammen von den Herstellerseiten, Stand Oktober 2026.
Stibo Systems (STEP): Hauptsitz Aarhus (Dänemark), seit 1976. STEP ist ein Multidomain-Master-Data-Management für große Unternehmen, das Produkt-, Kunden- und Lieferantendaten in einem Datenmodell führt. Die Plattform läuft als mandantenfähige Cloud-Lösung auf Microsoft Azure, On-Premise-Installationen erhalten seit Version 2024.4 keine Funktionsupdates mehr und werden bis Ende 2027 unterstützt. Preise gibt es auf Anfrage, das deutsche Büro sitzt in Hamburg. STEP ist die Adresse, wenn Stammdaten weit über Produkte hinaus im Konzernmaßstab geführt werden sollen.
inriver: Gegründet 2007, Hauptsitz Malmö (Schweden), nach eigenen Angaben über 1.600 Kunden. Reines SaaS-PIM auf Microsoft Azure in vier Paketen von Foundation bis Enterprise, die Preise werden individuell kalkuliert. Was inriver von Akeneo abhebt, ist Digital Shelf Analytics: Das System beobachtet die Produktlistings bei Händlern und Marktplätzen und meldet Probleme dorthin zurück, wo die Daten gepflegt werden. Deutsche Website, Büro in München. Spielt in derselben Liga wie Akeneo, richtet sich aber stärker an B2B-Hersteller mit mehreren Märkten.
Syndigo: Hauptsitz Chicago (USA), seit der Übernahme von 1WorldSync mit PXM, PIM, MDM und Content-Syndication in einer Cloud. Kern ist das Handelsnetzwerk mit nach Herstellerangaben über 15.000 Marken und 3.500 Händlern, an das Produktinhalte direkt ausgeliefert werden. Läuft auf Microsoft Azure, Preise auf Anfrage. Es gibt eine deutschsprachige Website, ein Büro im deutschsprachigen Raum nennt sie nicht. Interessant vor allem für Konsumgüterhersteller, die viele Händler mit Content versorgen müssen.
crossbase: crossbase mediasolution GmbH aus Böblingen, seit 2001 am Markt, PIM für Industrie und Mittelstand mit Branchenfokus Maschinenbau, Elektrotechnik, Bau und Medizintechnik. Betrieb wahlweise als SaaS in der crossbase-Cloud mit Serverstandort Deutschland, On-Premise oder in der eigenen Private Cloud, der Funktionsumfang ist in allen Varianten gleich. Die Stärke liegt im Print: InDesign-Kataloge, Preislisten und Datenblätter werden direkt aus dem PIM erzeugt. Preise auf Anfrage, Standorte in Böblingen und Wolfurt in Österreich. Wer jedes Jahr einen dicken Katalog und tausende Datenblätter produziert, sollte sich crossbase ansehen.
Plytix: SaaS-PIM mit Team überwiegend in Málaga (Spanien), 2015 als Analytics-Tool gestartet, nach eigener Aussage das einzige PIM, das speziell für kleine und mittlere E-Commerce-Unternehmen gemacht und bepreist ist. Der Standard-Plan ist dauerhaft kostenlos (bis 100 SKUs), Pro beginnt bei 149 Euro und Enterprise bei 699 Euro pro Monat, mit unbegrenzter Nutzerzahl und monatlicher Kündbarkeit. Eine deutschsprachige Website oder ein Büro im deutschsprachigen Raum gibt es nicht. Plytix spielt eine Liga unter den drei Hauptsystemen, ist aber für ein kleines Team, das aus Excel heraus will, der schnellste und günstigste Einstieg.
Kosten: Was die Hersteller veröffentlichen und was nicht
Zu PIM-Kosten kursieren im Netz viele Zahlen. Die meisten davon lassen sich nicht nachprüfen, deshalb stehen in der folgenden Tabelle nur die Listenpreise, die die Hersteller selbst veröffentlichen, Stand Oktober 2026.
Kostenblock
Pimcore
Akeneo
Centric PXM
Lizenz pro Jahr
Community 0 € (bis 5 Mio. € Umsatz); Professional ab 8.400 €; Enterprise ab 25.200 €; PaaS ab 34.200 € (Starter), 48.612 € (Growth), 66.612 € (Performance)
Community 0 €; Growth ab 35.000 € (EU); Advanced und Premium auf Anfrage
Auf Anfrage, keine Listenpreise
Was die Lizenz enthält
Professional: kommerzielle Lizenz ohne Enterprise-Module und ohne LTS; Enterprise: alle Enterprise-Module, SLA, Long-Term-Support; PaaS: zusätzlich Hosting, Betrieb, 24/7-Support
Laut Hersteller PIM, DAM, Syndication, DSA; Zusatzmodule teils separat
Hosting und Betrieb
Selbst oder über Partner (Professional, Enterprise); in PaaS enthalten
In den SaaS-Paketen enthalten; Community: eigener Betrieb
Im SaaS enthalten
Was keine Preisliste enthält, sind Implementierung, Datenmigration und die Weiterentwicklung danach. Diese Posten hängen davon ab, wie komplex Ihr Datenmodell ist, in welchem Zustand Ihre Bestandsdaten sind und wie viele Kanäle und Systeme angebunden werden. In unseren Projekten entscheiden diese drei Punkte über das Budget, nicht die Systemwahl. Bei Pimcore wandert das Geld von der Lizenz in die Implementierung, weil das Datenmodell gebaut wird, dafür steckt es hinterher in Ihrem System und nicht in einem Abo. Bei Akeneo und Centric PXM ist die Lizenz der größere Posten, der Einführungsumfang ist dafür stärker vorgegeben. Eine belastbare Zahl für Ihr Projekt bekommen Sie erst, wenn jemand Ihre Daten gesehen hat.
Welches PIM passt zu welchem Unternehmen? Die Entscheidungsmatrix
Einzige Option mit freier Hosting-Wahl für Neukunden
„Die häufigste Fehlentscheidung bei der PIM-Auswahl ist die Feature-Schlacht: drei Anbieter, eine Excel-Liste mit 150 Häkchen, am Ende gewinnt das System mit den meisten Kreuzen. Dabei entscheidet nicht die Feature-Liste über den Projekterfolg, sondern die Frage, ob das System Ihr Datenmodell abbilden kann. Wer zuerst sein Datenmodell versteht und dann das System wählt, dreht die Auswahl vom Kopf auf die Füße.“
Philipp Foreman
Geschäftsführer, onacy GmbH
PIM ist nur der Anfang: Warum Datenstrategie vor Systemwahl kommt
Ein PIM löst kein Datenproblem. Es macht sichtbar, wie groß es ist. Liegen die Produktdaten heute in Excel-Listen, in Freitextfeldern des ERP und im Kopf des Kollegen, der seit zwanzig Jahren den Katalog macht, dann liegen sie nach der Einführung erst einmal genauso im PIM. Deshalb gehört vor jede Systementscheidung eine Bestandsaufnahme: Welche Datenquellen gibt es, wer ist für welche Daten verantwortlich, welche Kanäle müssen versorgt werden, und wie soll das Datenmodell am Ende aussehen?
PIM ist dabei eine Teildisziplin eines größeren Themas: Data Management als Dach über PIM, MDM, DAM und CDP. Wer das früh mitdenkt, erspart sich die teuerste Variante der PIM-Einführung: nach drei Jahren festzustellen, dass das System zwar Produktdaten kann, aber an Stammdaten, KI-gestützter Anreicherung oder der Shop-Integration scheitert. Wir fangen deshalb in Projekten mit einem Daten-Audit an, bevor über Systeme gesprochen wird. Erst das Datenmodell und die Prozesse, dann die Shortlist.
Fazit und Empfehlung
Ein bestes PIM für alle gibt es nicht. Akeneo ist am schnellsten verstanden und das einzige der drei mit einem veröffentlichten Einstiegspreis. Centric PXM bringt für Konzernstrukturen mit Syndication-Bedarf am meisten aus einer Hand mit. Pimcore hat die Nase vorn, sobald Daten komplex werden, B2B-Anforderungen dominieren, das Hosting frei bleiben soll oder das Unternehmen mehr zusammenführen will als Produkttexte.
Unsere Kunden sind meist mittelständische Hersteller mit komplexen Sortimenten und mehreren Ausgabekanälen, und dort empfehlen wir in den meisten Fällen Pimcore. Sitzt uns ein Commerce-Team mit flachem Sortiment gegenüber, das keinen eigenen Betrieb will und in einem halben Jahr live sein muss, sagen wir trotz Partnerstatus: Nehmen Sie Akeneo.
Wenn Sie gerade eine Shortlist bauen: Fangen Sie mit Ihrem Datenmodell an und erst dann mit Anbieter-Demos. Ein Daten-Audit von wenigen Tagen bringt erfahrungsgemäß mehr Klarheit als drei Monate Feature-Vergleich. Wir zeigen Ihnen gern anhand Ihrer eigenen Daten, welches System zu Ihnen passt.
Häufige Fragen zum PIM-Vergleich
Was kostet Pimcore?
Die Pimcore Community Edition ist für Unternehmen bis 5 Millionen Euro Jahresumsatz, Non-Profits und nicht-produktive Nutzung kostenlos. Die kommerziellen Editionen beginnen laut deutscher Preisliste bei 8.400 Euro pro Jahr (Professional, ohne Enterprise-Module und ohne Long-Term-Support). Die Enterprise Edition kostet ab 25.200 Euro pro Jahr und enthält SLA, Long-Term-Support und alle Enterprise-Module, der vollständig betriebene Cloud-Service (PaaS) beginnt bei 34.200 Euro (Stand Oktober 2026). Dazu kommen Implementierung, Hosting und Weiterentwicklung, die vom Datenmodell abhängen.
Ist Akeneo wirklich kostenlos?
Die Akeneo Community Edition ist kostenlos, quelloffen (Open Software License 3.0) und wird weiter gepflegt, deckt aber nur das Standard-PIM ab. Asset Manager, Reference Entities, Regel-Engine, Workflows, Event Platform und GraphQL-API sind den SaaS-Paketen vorbehalten. Das Growth-Paket beginnt laut Listenpreis bei 35.000 Euro pro Jahr, Advanced und Premium gibt es auf Anfrage.
Was ist aus Contentserv geworden?
Contentserv wurde im Februar 2025 von Centric Software übernommen, einer Tochter von Dassault Systèmes, und heißt seitdem Centric PXM. Die Suite umfasst PIM, DAM, Syndication und Digital Shelf Analytics. Die Website contentserv.com leitet auf centricsoftware.com weiter, der Hilfebereich und der Marketplace laufen teils noch unter dem alten Namen.
Welches PIM-System eignet sich für 50.000 SKUs?
Alle drei Systeme verarbeiten 50.000 SKUs problemlos, Akeneo belegt in Kundenreferenzen 500.000 bis 700.000 SKUs, Pimcore bis zu 6 Millionen Datenobjekte. Die Artikelmenge ist deshalb selten das Kriterium. Wichtiger ist, wie die Artikel zusammenhängen: Bei vielen Varianten, Beziehungen und technischen Attributen, etwa in ETIM-klassifizierten B2B-Sortimenten, spielt Pimcore seine Stärken aus. Bei flachen Sortimenten mit Shop-Fokus ist Akeneo oft der schlankere Weg.
Kann man von Contentserv beziehungsweise Centric PXM zu Pimcore migrieren?
Ja. Eine Migration läuft über den Export der Produktdaten und Assets, ein Neudesign des Datenmodells in Pimcore und einen automatisierten Import per API. Der größte Aufwand steckt erfahrungsgemäß in der Bereinigung gewachsener Datenstrukturen, nicht in der Technik. Wie lange eine Migration dauert, hängt deshalb vor allem vom Zustand der Bestandsdaten ab.
Welches PIM-System ist das beste für den Mittelstand?
Für mittelständische Hersteller mit komplexen Produktdaten und B2B-Anforderungen ist Pimcore nach unserer Erfahrung meist die beste Wahl: offener Quellcode, flexibles Datenmodell und PIM, MDM, DAM sowie CMS in einer Plattform. Commerce-getriebene Händler mit standardnahen Anforderungen fahren mit Akeneo oft schlanker. Centric PXM lohnt sich vor allem für große, international verteilte Marketing-Organisationen mit Syndication-Bedarf.
Quellen und Stand der Angaben
Alle Produkt-, Lizenz- und Preisangaben haben wir am 26. Oktober 2026 gegen die folgenden Herstellerquellen geprüft. Preise und Paketzuschnitte ändern sich, prüfen Sie vor einer Entscheidung den aktuellen Stand.
Philipp Foreman ist Geschäftsführer der onacy GmbH und begleitet seit über einem Jahrzehnt mittelständische Hersteller bei der Auswahl und Einführung von PIM- und Datenplattformen. Als Pimcore Platinum Partner hat sein Team Datenmodelle für Sortimente von wenigen tausend bis zu mehreren Millionen Artikeln gebaut, kennt aber auch die Projekte, in denen Akeneo oder Contentserv die bessere Antwort waren. Sein Schwerpunkt: Datenmodellierung und Data Management als Fundament, bevor über Systeme gesprochen wird.
Wir prüfen Ihr Datenmodell, Ihre Kanäle und Ihre Prozesse und sagen Ihnen offen, ob Pimcore, Akeneo oder Contentserv die bessere Wahl ist. Oft schon im Erstgespräch.